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Business Talk: Vanessa Callegaris

Mit Vanessa verbindet mich schon einige Jahre Freundschaft. Dass wir uns beide selbstständig machen würden war allerdings lange nicht absehbar. Wie ich ist Vanessa Betriebswirtin, wie ich hat sie irgendwann die Fotografie für sich entdeckt, wie ich hat sie sich auf die "natürliche" Art der Fotografie konzentriert, die so genannte Lifestyle Fotografie. Echte, authentische Bilder.


Vanessa kann allerdings mit einer Besonderheit aufwarten: sie ist nicht nur eine tolle Familienfotografin sondern hat die Geburtsfotografie als Nische für sich entdeckt. Darüber haben wir uns näher unterhalten:


Du hast ein ganz besonderes Feld der Fotografie für dich entdeckt: du fotografierst Geburten. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ja, da hast du Recht, die Geburtsfotografie ist bei uns wirklich noch eher unbekannt- kommt aber immer mehr "in Mode"! Wie der Name schon sagt geht es um die Fotografie einer Geburt. Also eine Reportage der Stunden vor, während und nachdem ein kleines Wunder das Licht der Welt erblickt. Emotionen pur - auch deshalb für mich ein ganz besonderes Feld!


Du bist selbst Mama von zwei Kindern, hättest du dir bei deinen Geburten eine

Geburtsfotografin gewünscht?

Ich muss gestehen, dass ich das Thema Geburtsfotografie bewusst erst nach meiner 2. Schwangerschaft kennengelernt habe und sich die Frage so daher nie gestellt hat. Im Nachhinein aber bereue ich es schon, dass ich nicht schon früher darüber gestolpert bin! Bei meiner ersten Geburt hätte ich mir das bestimmt nicht zugetraut - so wie es auch vielen anderen Mamas geht. Sollte ich aber wirklich noch ein Baby bekommen, würde ich auf jeden Fall intensiv auf die Suche nach einer passenden Geburtsfotografin gehen!


Jeder bucht inzwischen schon einen Hochzeitsfotografen. Ich bin der Meinung, dass die Geburt eines Kindes um Längen noch emotionaler ist als eine Hochzeit! 🙂 Eine Hochzeit ändert meist nicht viel im Leben eines Paares. Eine Geburt hingegen schon! Die Stunden in den Wehen zeigen, welche Kraft eine Frau eigentlich aufbringen kann und muss, um einem Kind auf die Welt zu verhelfen. Welche Emotionen sich da abspielen - Freude, Verzweiflung, Hilflosigkeit und pures Glück. Zwei Menschen werden Eltern, der erste Atem, der erste Schrei, das erste Mal sein kleines Wunder im Arm halten - das sind alles Glücksmomente, die man leider sehr bald wieder vergisst - da man sich in einer Ausnahmesituation befindet kann man nicht all die kleinen und wichtigen Details für immer bei sich tragen. Genau dafür bucht man eine Geburtsfotografin!



Gab es schon einmal eine kritische Situation bei einer Geburt, bei der du als Fotografin dabei warst?

Vermutlich gibt es solch eine Situation bei fast jeder Geburt. Bei einer Geburt kam es zu einem Notkaiserschnitt und da waren die Minuten vor der Entscheidung durchaus ziemlich turbulent! Ich habe mich da völlig zurückgezogen und dem medizinischen Personal den Vortritt gelassen - denn Fotos sind wichtig, wenn ich als Geburtsfotografin vor Ort gebucht wurde aber die oberste Prämisse für mich ist immer, als Geburtsfotografin dem medizinischen Personal nicht zur Last zu fallen!


Damit dem Thema Geburtsfotografie zukünftig mehr und mehr Akzeptanz entgegengebracht wird, braucht es auf jeden Fall Professionisten auf diesem Gebiet, die auch in entsprechender Weise arbeiten. Ich hole mir daher immer nach einer Geburtsreportage Feedback der mitwirkenden Personen wie Hebammen oder Ärzten ein, um auch mein Verhalten und meine Arbeit kritisch zu reflektieren, sollte es Verbesserungsbedarf geben. Bis dato waren alle immer positiv überrascht, wie unbemerkt man als Geburtsfotografin sein kann.

Wie siehst du deine Rolle während einer Geburt? Stehst du den werdenden Eltern auch zur Seite?

Ich habe mich vor Beginn der Tätigkeit als Geburtsfotografin mit einigen Kollegen aus der Branche ausgetauscht und die gaben mir alle den Rat, durchaus auch als helfende Hand der werdenden Mama zur Seite zu stehen - also ja ich mache das durchaus auch sehr gerne, richte mich da aber voll und ganz nach unseren


Absprachen in der Vorbesprechung. Wenn eine Mama will, dass ich völlig unbemerkt an der Geburt teilnehme, dann werde ich mich natürlich auch daran halten. Das wichtigste ist, dass sich die werdende Mama wohl fühlt! Daher ist eine genaue persönliche Absprache im Vorhinein so wichtig, damit es nicht während der Geburt zu Missverständnissen kommt... was schade wäre!

Geburten passieren ja meist sehr spontan. Wie schaffst du es, trotz einer Familie zuhause immer rechtzeitig zur Stelle zu sein?

Die meisten Geburten gehen ja nicht von jetzt auf gleich los. In einem Vorgespräch klären wir ganz genau ab, wann ich kontaktiert werden soll, damit ich es auch rechtzeitig schaffe. So hat man dann eigentlich immer noch ein paar Stunden, um alles zu organisieren. Da mein Mann Lehrer ist und sehr viel zuhause ist kann ich da auch sehr schnell reagieren und meine Kinder in guten Händen wissen, wenn ich in Rufbereitschaft bin- was bei einer Geburtsreportage immer 1 Woche vor und 1 Woche nach dem geplanten Geburtstermin der Fall ist. Andere Shootings müssen dann eventuell spontan verschoben werden - aber das lässt sich alles gut organisieren.



Du bist ja eigentlich, wie ich Betriebswirtin. War es für dich schwierig, den Schritt in die Selbstständigkeit als Fotografin zu wagen?

Ich wollte eigentlich schon recht jung immer mal selbständig sein - das hatte für mich einen eigenen Reiz, sein eigener Chef zu sein! Das Studium dann hat den Wunsch dann eigentlich nur noch verstärkt. Allerdings fehlte dann immer die perfekte Idee! Als ich mich dann nach der zweiten Geburt meines Sohnes intensiv mit der Fotografie beschäftigt habe hat sich schnell herausgestellt, dass ich diese Leidenschaft unbedingt intensiver betreiben möchte - also meldete ich mein Gewerbe als Berufsfotografin an. Und ich habe es nie bereut.


Wenn du einer Freundin, die überlegt sich mit ihrem Herzensprojekt selbstständig zu machen, drei Tipps mitgeben könntest, welche wären das?

Ich glaub wir Frauen denken zu oft: "Was wäre gut und richtig und sicher?" aber viel zu selten "Was wollen wir eigentlich wirklich? Ganz tief in unserem Herzen drinnen?" Und wenn sich etwas gut anfühlt, dann sollte man das einfach durchziehen! Auch wenn viel Gegenwind vor allem von Freunden und Familie kommt - die sind meist besorgt und können sich mit so einem Vorhaben oft erst identifizieren, wenn sich die ersten Erfolge einstellen - so war oder ist das jedenfalls bei mir.

Was ich sonst noch wichtig finde: such' dir unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal, irgendwas, warum man zu dir kommen soll für und nicht zur Konkurrenz.

Und zu guter Letzt natürlich: ohne 1000% Einsatz darf man sich nicht wundern, wenn nichts daraus wird. Für mich steht aber fest: etwas, was man gern macht, macht man auch gut. Und das fühlt sich dann nicht an wie Arbeit. Ich kenne keinen Montag, ich freu mich jeden Tag darauf, wieder etwas für mein Geschäft zu tun. Also fühlt es sich richtig an für mich! Habt Mut!

Vanessa ist studierte Betriebswirtin und selbständig als Lifestyle Fotografin in Kärnten (Österreich) tätig.


www.piccolini.photos

https://www.instagram.com/piccolini.photos/

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